MEDIEN

Noch nie gab es eine so große Vielfalt an Medien. Sie bestimmt heute den Alltag vieler Menschen. Der Zugang zu Informationen aus der gesamten Welt ist so einfach wie nie. Die Möglichkeit, selbst an den Medien teilzuhaben, eröffnet eine Vernetzung über regionale und nationale Grenzen hinweg. Meinungsbildung und Meinungsaustausch über Medien gehören zum Wesen der Demokratie.

Eine deutlich geringere Bandbreite an Medien gab es in früheren Jahrhunderten. Neben Zeitungen und Flugblättern gehörten Predigten und der mündliche Austausch zu den wichtigsten Informationsmöglichkeiten. Auch die Freiheit der Medien war deutlich eingeschränkt. Der Landesherr übte durch die Zensur Kontrolle aus. Eine Meinungsbildung über die politischen Machtverhältnisse war für die Untertanen daher nur bedingt möglich.

1643
Ein herrschaftliches Begräbnis
als „Medienereignis“

 

Am 16. Mai wurden in der Residenzstadt Celle in einem pompösen Umzug zwei welfische Herzöge zu Grabe getragen. Mehr als 1100 Person, 400 Musketiere und 200 flankierende Reiter umfasste der Trauerzug, der sich von der Schlosskapelle bis zur Stadtkirche zog.

Ein solches Ereignis bot zugleich den Rahmen für eine wirkungsvolle Inszenierung der Herrschaftsverhältnisse. Eindrucksvoll wurde so der städtischen Öffentlichkeit vor Augen geführt, wer politischen Einfluss hatte, darunter Abgeordnete der Städte und Vertreter des territorialen Adels. So war die Inszenierung des Leichenzuges schon selbst ein mediales Ereignis. Um es für die Nachwelt zu erhalten und es weiter zu verbreiten, wurde ein sechsteiliger großer Kupferstich von dem Zug in Auftrag gegeben, der veranschaulichen sollte, mit welchem Aufwand das Begräbnis in Szene gesetzt worden war.

In der Ausstellung sind verschiedene mediale Stufen des „Leichenzuges“ zu sehen: die Reproduktion des vollständigen sechsteiligen Kupferstichs, ein originaler Einzeldruck sowie die dazugehörige Kupferstichplatte.

Auf der Rückseite zeigt eine filmische Installation die Details des Trauerzuges und erläutert die verschiedenen teilnehmenden Gruppen.

Eine kleine Inszenierung stellt die heutige Medienwelt den Kommunikationsformen bis zum frühen 19. Jahrhundert gegenüber und wirft Fragen auf hinsichtlich Reichweite, Teilhabe, Geschwindigkeit – und Verantwortung.

Fake News erfüllen die gleiche Funktion der schon immer bekannten „Gerüchte“ und Verleumdungen -allerdings erreichen sie heute eine früher nicht vorstellbare Verbreitung, und dies binnen kürzester Zeit. Die Ausstellung zeigt Beispiele aus einer politischen Verleumdungskampagne des 18. Jahrhunderts, der „Struensee-Affäre“, sowie viele Beispiele aktueller Fake News und ihre Richtigstellungen.

Der Fall Struensee

Dänisches Flugblatt „Nu vender Lykken sig, Grev Struense for dig.“
(Nun wendet sich das Glück, Graf Struensee, für Dich“)

Johann Friedrich Struensee war Leibarzt des dänischen Königs Christian VII. und stieg am Hof in Kopenhagen bis zum Minister auf. Mit seinen modernen Ansichten, die von der Aufklärung geprägt waren, wollte er die Regierung und das Land umfassend reformieren. Seine politische Macht und sein enger Kontakt zu Königin Caroline Mathilde riefen Missgunst und Neid hervor. Mittels Flugblätter wurde er gezielt verleumdet und die Bevölkerung gegen ihn aufgebracht. Nach einem Scheinprozess richtete man ihn 1772 in Kopenhagen öffentlich hin. städtische Gericht tagten. Vor dem Christus-Gemälde mussten Rat und Bürgermeister ihren Amtseid leisten.

Flugblätter wie dieses wurden gezielt zum Sturz von Struensee und auch während des Scheinprozesses eingesetzt. Sie thematisierten spöttisch und diffamierend einzelne Anklagepunkte, wie die Unterstellung, Struensee wolle den König stürzen.

Dieses erschien kurz nach seiner Gefangennahme im Januar 1772 und sollte die Stimmung der Bevölkerung auch während des Prozesses gegen Struensee schüren.

Während das Hauptmotiv auf die Beziehung zwischen Königin und Leibarzt anspielt und Struensee als charmanten Verführer inszeniert, zeigt das Motiv im Hintergrund den Arzt bereits als Gefangenen mit einer Kette am Fuß. Aus seinen Taschen holt er Geldstücke -  dies sollte die (unbewiesene) Behauptung illustrieren, Struensee habe sich am Hof finanziell bereichert.

Der Text suggeriert, Struensee habe es verdient, für sein unsittliches und gieriges Verhalten bestraft zu werden und zu sterben. Damit sollte einer öffentlichen Zustimmung für das später nach einem Scheinprozess ausgeführte Todesurteil der Boden bereitet werden.

Flug- oder Schandschriften wie diese mussten schnell produzierbar sein, deshalb handelte es sich häufig um einfache Holzschnitte, von denen gedruckt wurde, oder man nutze wie in diesem Fall einen bereits existierenden Stich, der andere Personen (das Paar) in passendem Kontext zeigte und ergänzte sie, hier durch die Hintergrundszene, und erweckte durch einen neuen Text den Eindruck, das Blatt zeige eine aktuelle Situation.

Drucker wie der unten im Blatt aufgeführte  Joseph Thiele verkauften solche Schandschriften währen des Struensee-Skandals in großer Auflage. 

Flugblätter wie dieses wurden gezielt zum Sturz von Struensee und auch während des Scheinprozesses eingesetzt. Sie thematisierten spöttisch und diffamierend einzelne Anklagepunkte, wie die Unterstellung, Struensee wolle den König stürzen. Dieses erschien kurz nach seiner Gefangennahme im Januar 1772 und sollte die Stimmung der Bevölkerung auch während des Prozesses gegen Struensee schüren.

Während das Hauptmotiv auf die Beziehung zwischen Königin und Leibarzt anspielt und Struensee als charmanten Verführer inszeniert, zeigt das Motiv im Hintergrund den Arzt bereits als Gefangenen mit einer Kette am Fuß. Aus seinen Taschen holt er Geldstücke - dies sollte die (unbewiesene) Behauptung illustrieren, Struensee habe sich am Hof finanziell bereichert.

Der Text suggeriert, Struensee habe es verdient, für sein unsittliches und gieriges Verhalten bestraft zu werden und zu sterben. Damit sollte einer öffentlichen Zustimmung für das später nach einem Scheinprozess ausgeführte Todesurteil der Boden bereitet werden. Flug- oder Schandschriften wie diese mussten schnell produzierbar sein, deshalb handelte es sich häufig um einfache Holzschnitte, von denen gedruckt wurde, oder man nutze wie in diesem Fall einen bereits existierenden Stich, der andere Personen (das Paar) in passendem Kontext zeigte und ergänzte sie, hier durch die Hintergrundszene, und erweckte durch einen neuen Text den Eindruck, das Blatt zeige eine aktuelle Situation. Drucker wie der unten im Blatt aufgeführte Joseph Thiele verkauften solche Schandschriften währen des Struensee-Skandals in großer Auflage.