Süße Pracht!
Der Zuckerbäcker Georg Maushagen
und sein Zuckerbankett

Die Sonderausstellung „Süße Pracht!“ präsentiert eine Objektauswahl aus dem Jülicher Zuckerbankett des Konditor- meisters Georg Maushagen.

Kupferstich von Franz Hogenberg
Kupferstich von Franz Hogenberg,
1587 © Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf, D V-8

Zucker ist heute ein alltägliches Gut. Aber bis in das 19. Jahrhundert war dieser sehr teuer und daher nur den Wohlhabenden vorbehalten. Im Juni 1585 heiratete in Düsseldorf der Thronfolger Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg die Markgräfin Jakobe von Baden. Höhepunkt des Hochzeitstages bildete ein Zuckerbankett, das der Beschreibung nach eine Landschaft mit Schloss, Tieren und Pflanzen zeigte – eine Landschaft, die zugleich den Reichtum und die Macht des Herzogs zur Schau stellte.

Eine besondere Leidenschaft

Georg Maushagen machte es sich zur Lebensaufgabe, seine ganz eigene Interpretation dieses besonderen Bankettes zu erschaffen und damit ein Stück Geschichte erlebbar zu machen. In Anlehnung an einen Kupferstich von Franz Hogenberg aus dem Jahr 1587 und zeitgenössischen Festberichten kreierte der weltweit geschätzte Konditormeister über 100 Objekte aus ca. einer Tonne Zucker.

lecker

© Brigitte und Georg Maushagen

Der Zuckerbäcker

Georg Maushagen selbst bezeichnet sich als Zuckerbäcker. Diese Berufsbezeichnung stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist noch heute in Österreich die übliche Bezeichnung für den Konditoreiberuf. Menschen aus der ganzen Welt kennen seine süßen Kreationen und schätzen seine Fähigkeiten. Schon während seiner Selbstständigkeit in Düsseldorf lehrte er seine Fertigkeiten in dem von ihm gegründeten „Institut für Patisserie und Zuckergestaltung“. 2017 gaben er und seine Frau ihr Café in Düsseldorf auf, um nach Österreich zu ziehen. Im Laufe des Umzugs verkaufte Georg Maushagen sein süßes und kalorienreiches Kunstwerk an das Bomann-Museum.

Entdecken Sie den „Sommernachtstraum“!

Elfenkönig Oberon

Tortendecke

Elfenkönigin Titania

Hohlformen aus Isomalt

Der Sommernachtstraum – eine bekannte Komödie des englischen Schriftstellers William Shakespeare (1564–1616) – wird hier künstlerisch in Form einer Torte umgesetzt. Nach einem Monat der Vorbereitung (Zeichnung, Design und Statik) hat Georg Maushagen drei Monate für die Fertigung dieses Objektes benötigt.

Ganz oben auf der Torte sind der Elfenkönig Oberon und sein Diener Puck zu sehen. Beide lenken nach damals populärer Vorstellung die Geschicke der Menschen – besonders die der Liebe.

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Die Tortendecke und die Blumenverzierungen bestehen aus dem weißen Tragant-Zucker. Dieser wird aus einer gummiartigen Ausscheidung des Astragalusbaumes gewonnen, der aus Kleinasien stammt. Er verhält sich wie eine Modelliermasse und ist sehr gut formbar. Durch seine raue Oberfläche lässt er sich leichter bemalen als der Isomalt-Zucker, ist aber weniger stabil. Daher eignet er sich nur für die kleinen Verzierungen.

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In der Mitte ist Oberons Frau, die Elfenkönigin Titania, zu erkennen. Neben ihr sitzt Zettel, dessen Kopf durch Puck in einen Eselskopf verwandelt wurde. Wegen der Liebesblume, die neben den beiden zu sehen ist, war Titania eine Zeit lang in Zettel verliebt.

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Die verschiedenen Figuren sind aus dem Zucker Isomalt hergestellt. Isomalt ist ein Zucker­alkohol, der aus Saccharose (Rohrzucker) gewonnen wird. Durch Erhitzen lassen sich die Isomalt-Körner zu einer klaren Masse schmelzen, die durch das Abkühlen aushärtet. Die geschmolzene Masse ist zudem blasbar, sodass Hohlformen, wie die Kugeln auf dem Sommernachtstraum entstehen können. Seine Süßkraft und Kaloriengehalt entsprechen ca. der Hälfte des normalen Haushaltszuckers und ist damit auch für Diabetiker geeignet. Deswegen wird er oft für die Herstellung zuckerfreier Bonbons verwendet.

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Kuratorin: Rahel Achterberg
Objektfertiger: Georg Maushagen
Gestaltung:
Homann Güner Blum – Visuelle Kommunikation

Es hat einem den Adrenalinstoß versetzt, so etwas leisten zu können, den Erfolg damit zu haben
und vor allem, worum es mir ging, zu zeigen, wozu das Handwerk fähig ist.

— Georg Maushagen, Zuckerbäcker