Das Schlosstheater
Theater der Region

Als eines der sechs niedersächsischen Kommunaltheater bespielt das Schlosstheater mit seinem 17-köpfigen festen Ensemble den historischen Theatersaal im Nordwestturm des Schlosses. Um 1675 wurde es unter Herzog Georg Wilhelm dort angelegt und gehört zu den ältesten, heute noch bespielten Theatern Europas. Der nach umfassenden Restaurierungsarbeiten wieder hergestellte Zustand entspricht der Zeit um 1770. Zugleich ist der Theaterraum mit modernster Bühnentechnik ausgestattet.

Das Foto zeigt, schrägt von der Bühne aus gemacht, die Fürstenloge gegenüber.
Noch heute ist die Fürstenloge, zentral gegenüber der Bühne, dekorativ besonders hervorgehoben. © M. Blume

Frühestes Barocktheater in Norddeutschland

Das Schlosstheater Celle geht auf den letzten Celler Herzog, Georg Wilhelm, und seine französische Gemahlin Éléonore Desmier d’Olbreuse zurück: Während die Hugenottin die französische Hofkultur nach Celle brachte, hatte Georg Wilhelm auf seinen Kavaliersreisen in Italien die damals aktuelle Residenzkultur kennengelernt.

Davon inspiriert, ließ das Herrscherpaar 1674 ein barockes Theater einbauen. Vorbild waren die Bühnen italienischer Paläste in königlichen und hochfürstlichen Schlössern. Dort wurden seit der Mitte des 17. Jahrhunderts eigene Säle eingerichtet, die sowohl für das Komödienspiel wie für Bälle und Maskeraden genutzt wurden. Der Fürst saß zentral der Bühne gegenüber, in einem besonderen Stand, erhöht und geschützt, um ihn herum die Hofgesellschaft in nach Rang gestaffelter Platzordnung.

Das (rekonstruierte) königliche Wappen aus der Zeit der hannoversch-britischen Personalunion über der Bühne
Das (rekonstruierte) königliche Wappen aus der Zeit der hannoversch-britischen Personalunion über der Bühne. © Schlosstheater

100 Jahre später…

Mit dem Ende der Celler Linie 1705 verwaiste das Theater. Rund 70 Jahre später sorgte der Einzug der jungen, nach einer Affäre geschiedenen Königin Caroline Mathilde für eine Wiederbelebung. So wurde das Theater 1773/1774 durch den Hofarchitekten Johann Dietrich Heumann und Hof-Dekorateur Conrad Jost Hunnemann aus Hannover umgebaut, wie man es von entsprechenden Theatertypen in Drottningholm, Potsdam oder Schwetzingen kennt. Die Einschnürung von dem Bühnenportal wurde beseitigt, eine Avantscène und ein vertieftes Proszenium eingebaut, darüber brachte man das Wappen von Caroline Mathildes Bruder, König Georgs III., an.

Blick von der Bühne auf die Ränge und den unteren Zuschauerraum mit roter Bestuhlung, roten Vorhängen sowie roter Deckenbemalung.
Seit den 1930er Jahren bis zum Jahr 2010 präsentierte sich das Schlosstheater in rot.

Vom Barock zum “Pseudo-Barock“

Nach dem frühen Tod Caroline Mathildes 1772 wurde es nur noch gelegentlich bespielt und schließlich Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben. In den 1920er Jahren erfolgte dann eine aufwendige Sanierung, die 1935 in der Wiedereröffnung des Theaters mit einer Bach-Händel-Feier und der Aufführung der Händel-Oper „Tamerlan“ ihren Höhepunkt fand. Dabei war das Theater nach unhistorischen Vorstellungen „barockisiert“ worden, parallel zur Idealisierung der Paradegemächer im Nordflügel des Schlosses.  Die gesamte Bühneneinrichtung war beseitigt und die Dekoration ohne Rücksicht auf originale Reste verfälscht, im Stile eines „Klein-Versailles“.

Musiker Mutz spielt vor vollbesetztem Haus. Das Foto zeigt Publikum und Bühne vom oberen Rang aus.
Abendveranstaltung vor ausverkauftem Haus © Torsten Volkmer

Moderner Spielbetrieb in historischen Gewand

Während einer zweijährigen Umbauzeit, die eine gründliche Renovierung und den Einbau modernster Bühnentechnik umfasste und mit einem Kostenaufwand im zweistelligen Millionenbereich einherging, ist das barocke Schlosstheater von Grund auf neu saniert worden.

Seit 2012 erinnert der Zuschauerraum nun wieder an die Zeit des Aufenthalts der dänischen Königin Caroline Mathilde. Wo es sinnvoll und begründbar erschien, wurde auf historische Spuren Bezug genommen, und zugleich die Voraussetzung für einen zeitgemäßen Spielbetrieb geschaffen. So erweitern elektrische Maschinen- und Punktzüge, eine Drehbühne und weitere technische Modernisierungen die Gestaltungsmöglichkeiten zeitgemäßer Inszenierungen.

Ein Theater - vier Bühnen

Das heutige Schlosstheater als Spielbetrieb mit über 100 Mitarbeiter*innen umfasst mehr als den geschichtsträchtigen Ort der Hauptbühne am historischen Ort. Insgesamt vier Bühnen werden heute bespielt: Zusätzlich zum Schlosstheater sind dies zwei Studiobühnen, der Malersaal im Erdgeschoss und die Turmbühne, sowie die HALLE 19, knapp 1500 Meter entfernt, auf dem Gelände der ehemaligen Cambridge-Dragoner Kaserne. Im Sommer wird auch der Schloss-Innenhof für das Freilufttheater zur Bühne und Kulisse. Auch befinden sich viele Arbeitsbereiche des Theaters im Celler Schloss.

 

Ein vielfältiges Angebot

Mehr als 400 Aufführungen bringt das Schlosstheater jährlich auf die Bühne, vom Kindertheater über Jugendstücke bis hin zu Musicals, Klassikern der Theaterliteratur und zeitgenössischen Stücken. An fast jedem Abend kann man mindestens ein Theaterstück anschauen, von der leichtfüßigen Komödie bis zum aktuellen Zeitkommentar bietet der Spielplan gute Unterhaltung für nahezu jede Stimmung und jeden Geschmack.

 

Link zum Theaterprogramm: https://schlosstheater-celle.de/programm/schlosstheater.html

 

Bürgerliches Engagement ist erwünscht…

Das Schlosstheater ist ein Symbol für das bürgerschaftliche Engagement in der Stadt und der Region, denn es wurde 1948 als Verein von Bürgerinnen und Bürgern Celles erneut gegründet. Der Theaterverein, in dessen Vorstand die Stadt, der Landkreis und die Landesregierung vertreten sind, ist bis heute Träger des Theaters. Jeder kann hier Mitglied werden und so das Theater mitgestalten. Auch das macht das Celler Schlosstheater außergewöhnlich.

Passend für ein bürgerschaftlich geprägtes Theater nimmt das Schlosstheater nicht nur lokale Stoffe auf, sondern bietet vom Abonnement bis zur Bürgerbühne und den Theaterspiel-Clubs für Kinder und Erwachsene viele Möglichkeiten, sich einzubringen und das Theater in die Zukunft zu tragen.

Das Theater ist die tätige Reflexion des Menschen
über sich selbst.

— Novalis (1772–1801)